Die meisten Lichter des Zirkus auf dem gro?en Platz waren erloschen. Nur in einigen Wohnwagen waren erleuchtete Fenster zu sehen, hinter denen sich ab und zu Gestalten wie in einem Schattentheater bewegten.
Am Himmel erstrahlten die ersten Sterne. Es war November und die Dunkelheit brach früh herein. Stille lag über dieser kleinen Zirkuswelt, die nur gelegentlich durch die Stimmen des Urwaldes und der Savanne in den Tiergehegen unterbrochen wurde. Niemand hatte auf das kleine M?dchen geachtet, als man nach der Vorstellung alles Notwendige aufr?umte und das gro?e Tor des Zaunes, welcher den Platz umrahmte, verriegelte.
Das M?dchen mochte vielleicht zehn Jahre alt sein und war nicht gr??er als die Liliputaner hier im Zirkus. Ein heller und dünner Mantel reichte ihm kurz über die Knie. Der Wind war kalt und es fror. Das M?dchen begann zu weinen. Es hatte keine Angst. Nur einsam war es und wusste nicht wohin. Es schaute sp?hend umher und ging zum gro?en Zelt, wo eine schwache Lampe mattes Licht auf den Boden streute. Ein kleiner Holzkarren, mit Stroh beladen, stand da. Einen Augenblick verharrte es unschlüssig, weil M?use ihm in den Sinn kamen. Es begann zu l?cheln und kletterte dann mutig auf den Wagen und kroch unter das Stroh. Manchmal kitzelte es an seinen Beinen und es musste lachen.
Das M?dchen lag auf dem Rücken und begann die Sterne zu z?hlen. Viele mochte es nicht gez?hlt zu haben. Schon bald neigte sich sein Kopf zur Seite und es fiel in einen tiefen Schlaf. Im Traum schaukelte es.
Das Schaukeln wurde immer heftiger und es ?ffnete die Augen. Vor ihm stand ein l?chelnder junger Mann. Er hatte schwarzes, langes Haar und sein Gesicht war dunkel wie das ferne Afrika. -Was machst du hier-? fragte er. Einen Augenblick schwieg das M?dchen, weil ihm nicht klar war, ob es noch tr?umte. -Ich wei? nicht. Ich liege hier, weil ich müde bin.- -Hast du kein Zuhause?- Wenn er den Mund auftat, gl?nzten seine Z?hne wie Elfenbein.
Das M?dchen legte die Stirne in Falten und dachte nach. -Nein-, sagte es. -Und wer bist du? Arbeitest du hier?- Auf den Augen des jungen Mannes legte sich ein Schatten. -Nicht mehr. Ich gehe zurück in meine Heimat.- Das M?dchen richtete sich auf. Das braune Haar war mit Strohhalmen bedeckt. Der junge Mann blickte sie wieder l?chelnd an. -Und wo ist deine Heimat-? fragte das M?dchen Er wurde abwesend und schloss seine Augen. Eine Weile stand er so.
Dann fanden seine Gedanken wieder zurück und er sagte: -Ganz weit von hier. übers Gebirge und übers Meer. Dorthin, wo nur die Sonne scheint.- Die Augen des M?dchens wurden sehnsüchtig. -Wo immer die Sonne scheint-, wiederholte es. -Da m?chte ich auch leben. Darf ich mit dir gehen?- Das L?cheln des jungen Mannes war jetzt wie ein Boot, dass einlud zum Einsteigen. -Komm., da du doch kein Zuhause hast.- Er half dem M?dchen aus dem Stroh und nahm es bei der Hand. Am n?chsten Morgen gab es gro?e Aufregung im Zirkus.
