Vor Zeiten, bald nachdem die Kontinente Hochzeit gefeiert hatten und ihre lange Reise über den Globus beendeten, w?hlten die Tiere der Luft, zu Wasser und auf dem Land ihre Fürsten.
Ein jeder herrschte von nun an über sein Reich und sorgte dafür, dass keiner gegen das Gesetz der Natur verstie?, welches da lautete: "Nimm nur so viel von den Gaben des Allerh?chsten, wie du zum Leben brauchst." Und damit es auch für alle reicht, erkl?rten einige Tiere freiwillig, auf den Verzehr von Fleisch zu verzichten, andere wieder, sich nur von dem zu ern?hren, was selbst keine Nahrung mehr ben?tigt.
Die Fürsten achteten darauf, dass jeder die neuen Regeln einhielt. Kondore, Adler und Geier beherrschten die Weiten des Himmels bei Tage, der Uhu wachte zur Nacht. In Indien kündete der Elefant sein Kommen mit Trompetenst??en an, die jedem Tier durch Mark und Bein fuhren. Keiner wagte es, ihm zu widersprechen. Im Dickicht der Taiga bestimmte der Tiger - lautlos und wachsam. Herren der W?lder waren die B?ren und Gorillas.
Wale und Haie sorgten sich um die Eintracht der Meeresbewohner, und die Krokodile bewachten die Flüsse. Zu ihrem K?nig aber w?hlten sie den L?wen, den Herrscher über Savannen und Wüsten, denn ihn hielten die meisten Tiere für den m?chtigsten und würdevollsten. Kein Wunder, schlie?lich war er der einzige, der allein über einen ganzen Kontinent herrschte. Das mussten auch die Geier zugeben. Viele Jahre lebten die Tiere so in ihrer selbstgew?hlten Ordnung und richteten sich je nach Verdienst und M?glichkeit auf der fruchtbaren jungen Erde ein, um ein Leben voller Glück und Abenteuer zu führen. Jedes Wesen entdeckte die Welt auf seine Weise und erfreute sich an ihr, solange es konnte. Dabei lernten sie, dass Fehler sofort bestraft werden und sogar ihr Lebensende bedeuten k?nnen. Also h?rten sie auf den Rat der Alten, lernten flei?ig von ihnen und achteten alle Gesetze, welche jene geschaffen hatten.
Und weil es allen dabei gut ging, blieb es auch so... So lange, bis sich ein neues Wesen auf der Erde einmischte. Es war ein seltsames Gesch?pf, trug weder Fell noch Schuppen, hatte weder Hufe noch Tatzen, tappte auf zwei Beinen langsam durch die Gegend und wusste alles besser. Dabei fiel es ganz aus der Art, hockte oft lange auf der Erde und fummelte mit seinen Vordertatzen herum, schrie dann vor Vergnügen, wenn es ein R?tsel gel?st hatte. Lange Zeit beobachteten die Tiere jenes Wesen aus der Ferne. Sie lernten nach und nach, sich diesen Erdebewohner vom Leibe zu halten. Er war unberechenbar und hielt sich an keine Regeln. Er fra? alles durcheinander: Pflanzen, Fische, V?gel und rohes Fleisch von dummen Tieren, die in seine Fallen liefen.
