德语童话故事:Was die Distel erlebte

发布时间:2019-01-31 05:51:55

Zu dem reichen Herrensitz geh?rte ein sch?ner, gutgehaltener Garten mit seltenen B?umen und Blumen; die G?ste auf dem Schlo? ?u?erten ihr Entzücken darüber, die Bewohner der Umgegend, vom Lande wie aus den St?dten, kamen an Sonn- und Feiertagen und baten um Erlaubnis, den Garten zu sehen, ja, ganze Schulen fanden sich zu ?hnlichen Besuchen ein.
Vor dem Garten, an dem Gitter nach dem Feldwege hinaus, stand eine m?chtige Distel; sie war so gro?, von der Wurzel aus in mehrere Zweige geteilt, da? man sie wohl einen Distelbusch nennen konnte. Niemand sah sie an au?er dem alten Esel, der den Milchwagen des Milchm?dchens zog. Er machte einen langen Hals nach der Distel und sagte: ?Du bist sch?n! Ich k?nnte dich auffressen!
? Aber die Leine, an der der Esel angepflockt stand, war nicht lang genug, als da? er sie h?tte fressen k?nnen. Es war gro?e Gesellschaft im Schlo?, hochadelige Verwandte aus der Hauptstadt, junge, niedliche M?dchen und unter ihnen ein Fr?ulein von weit her; sie kam aus Schottland, war von vornehmer Geburt, reich an Geld und Gut, eine Braut, deren Besitz sich schon verlohne, sagte mehr als ein junger Herr, und die Mütter sagten es auch.
Die Jugend tummelte sich auf dem Rasen und spielte Krocket; sie gingen zwischen den Blumen umher, und ein jedes der jungen M?dchen pflückte eine Blume und steckte sie einem der jungen Herren ins Knopfloch; aber die junge Schottin sah sich lange um, verwarf eine Blume nach der andern; keine schien nach ihrem Geschmack zu sein; da sah sie über das Gitter hinüber, da drau?en stand der gro?e Distelbusch mit seinen rotblauen, kr?ftigen Blüten, sie sah sie, sie l?chelte und bat den Sohn des Hauses, ihr eine zu pflücken. ?Das ist Schottlands Blume!? sagte sie. ?Sie prangt in dem Wappen des Landes, geben Sie mir die!? Und er holte die sch?nste, und sie stach ihn in die Finger, als wachse der st?rkste Rosendorf daran. Die Distelblüte steckte sie dem jungen Mann ins Knopfloch, und er fühlte sich hochgeehrt.
Alle die andern jungen Herren h?tten gern ihre Prachtblume hergegeben, um diese tragen zu k?nnen, die von den feinen H?nden der jungen Schottin gespendet war. Und wenn sich der Sohn des Hauses geehrt fühlte, wie mochte sich da die Distel vorkommen! Es war, als durchstr?mten sie Tau und Sonnenschein. ?Ich bin mehr, als ich glaube!? sagte sie im stillen. ?Ich geh?re wohl eigentlich hinter das Gitter und nicht drau?en auf das Feld.
Man wird hier in der Welt wunderlich gestellt! Aber nun ist doch eine von den Meinen über das Gitter gekommen und sitzt obendrein im Knopfloch!? Jeder Knospe, die kam und sich entfaltete, erz?hlte sie diese Begebenheit, und es waren noch nicht viele Tage vergangen, da h?rte der Distelbusch, nicht von Menschen, nicht aus dem Vogelgezwitscher, sondern aus der Luft selber, die Laute auff?ngt und weitertr?gt, aus den innersten G?ngen des Gartens und aus den Zimmern des Schlosses, wo Türen und Fenster offenstehen, da? der junge Her, der die Distelblüte aus der Hand der feinen jungen Schottin erhielt, nun auch die Hand und das Herz bekommen habe. Es sei ein sch?nes Paar, eine gute Partie. ?Die habe ich zusammengebracht!? meinte der Distelbusch und dachte an die Blüte, die er für das Knopfloch hergegeben hatte. Jede Blüte, die aufbrach, bekam das Ereignis zu h?ren. ?Ich werden gewi? in den Garten gepflanzt?, dachte die Distel, ?vielleicht in einen Topf gestellt, der klemmt, das soll ja das allerehrenvollste sein!
? Und der Distelbusch dachte so lebhaft daran, da? er mit voller überzeugung sagte: ?Ich komme in einen Topf!? Er versprach jeder kleinen Distelblüte, die aufspro?te, da? sie auch in den Topf kommen solle, vielleicht gar ins Knopfloch. Das war das H?chste, was erreicht werden konnte; aber keine kam in den Topf, geschweige denn ins Knopfloch; sie tranken Luft und Licht, sie schleckten Sonnenschein am Tage und Tau in der Nacht, blühten, bekamen Besuch von Bienen und Bremsen, die nach Mitgift suchten, nach dem Honig in der Blüte, und den Honig nahmen sie, die Blume lie?en sie stehen. ?Das R?ubergesindel!? sagte der Distelbusch. ?K?nnte ich sie doch auffressen!
Aber das kann ich nicht!? Die Blüten lie?en den Kopf h?ngen, welkten hin, aber es kamen neue. ?Ihr kommt wie gerufen!? sagte der Distelbusch. ?Jede Minute erwarte ich, da? man uns hinter das Gitter verpflanzt!? Ein paar unschuldige G?nseblümchen und Wegerichpflanzen standen da und h?rten mit Bewunderung zu und glaubten alles, was der Distelbusch sagte. Der alte Esel vom Milchwagen schielte vom Wegesrande zu dem Distelbusch hinüber, aber die Leine war zu kurz, er konnte ihn nicht erreichen. Und die Distel dachte so lange an die Distel Schottlands, zu deren Familie sie sich z?hlte, da? sie schlie?lich glaubte, sie sei aus Schottland gekommen und ihre Eltern w?ren selber im Wappen Schottlands erblüht. Das war ein gro?er Gedanke, aber eine gro?e Distel kann wohl einen gro?en Gedanken haben. ?
Man ist oft von so vornehmer Familie, da? man es gar nicht zu wissen wagt!? sagte die Nessel, die dicht daneben wuchs; sie hatte auch eine Ahnung davon, da? sie zu ’Nesseltuch’ werden k?nne, wenn sie nur richtig behandelt würde. Und der Sommer verging, und der Herbst verging; die Bl?tter fielen von den B?umen, die Blumen bekamen st?rkere Farben und weniger Duft. Die jungen Tannenb?ume im Walde fingen an, Weihnachtssehnsucht zu bekommen, aber es war noch lange bis Weihnachten. ? Hier stehe ich noch!? sage die Diestel. ?Es ist, als wenn niemand an mich d?chte, und ich habe doch die Partie gemacht; verlobt haben sie sich, und Hochzeit haben sie gefeiert, es ist jetzt acht Tage her. Ja, ich, ich tue keinen Schritt, denn ich kann es nicht!? Es vergingen noch einige Wochen; die Distel stand mit ihrer letzten, einzigen Blüte, gro? und voll, ganz nahe an der Wurzel war sie empogespro?t.
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