德语故事:Lene Teil I: Harveys Mütze(4)
发布时间:2019-01-31 06:04:16
Schatzsuche
"Theo, Magda, der Schatz! Ich muss sofort los!" Lene steht völlig aufgelöst vor dem Dackel. "Ganz ruhig Bella, welcher Schatz?"
"Die Diamanten. Ich hab ich mit Franziska unter einem Haselnussstrauch vergraben. Sie werden sie finden!" Theo versteht noch immer nicht. Lene muss sich anstrengen, in ganzen Sätzen zu sprechen. Sie erzählt Theo davon, wie Franziska und sie die Edelsteine gefunden und in Blechbüchsen getan hatten. Dann wiederholt sie, was Ralf gesagt hatte. Die Tränen stehen ihr in den Augen. Magda, die hinzugetreten war, streicht Lene beruhigend um die Beine. "Nicht weinen, meine Kleine, noch wissen wir ja gar nicht, ob sie euren Schatz überhaupt gefunden haben. Also nicht den Kopf verlieren!"
"Genau." Theo hat die Stirn in Dackelfalten gelegt.
"Wenn ich einen Vorschlag machen dürfte?" Magda, Theo und Lene drehen sich erstaunt um. Es ist Ralf, der hinter ihnen steht. "Ich könnte zum Haselnussstrauch fliegen und nachsehen, wie die Sache steht. Ihr kommt hinterher. Ich finde euch dann schon." Lene lächelt Ralf dankbar an.
"Dann lasst uns keine Zeit verlieren!" Theo springt von seinem Barhocker. Magda, Lene und Ralf wenden sich ebenfalls zum Ausgang. "Und was ist mit uns?" Harald steht mit grimmiger Miene hinter seinem Tresen. Die Arme hält er auf der Brust verschränkt "Ihr denkt wohl, ihr könnt das Abenteuer ganz für euch alleine haben, was? Nix da!" Zu den anderen Mäusen gewandt ruft er: "Los Jungs, es geht auf Schatzsuche!" Die Wühlmäuse hören sofort mit dem Tanzen auf und verfallen in ein ohrenbetäubendes Gebrüll, das die Musik augenblicklich verstummen lässt. Im Nu versammeln sich all um Haralds Theke. Sogar die Musiker in ihren geringelten Hemden legen ihre Instrumente beiseite.
"Ich danke euch!" Lene ist gerührt. Für einen Moment stehen sie alle stumm da. Dann bellt Theo laut: "Los geht’s Amigos. Andiamo!" Mit einem Mal stürmen sie alle durch den engen Gang ins Freie. Nur bei Lene dauert es etwas länger, weil sie sich wieder durch den Ausgang quetschen muss. Rodney wirft die Tür hinter ihnen zu und legt ein paar Äste davor. Die Sonne ist mittlerweile richtig aufgegangen. Ralf fliegt in den blauen Himmel hinein. Lene, Theo und Magda laufen zum Gartentor. Hinter ihnen springen ungefähr einhundert Wühlmäuse mit Stirnbändern und dunklen Sonnenbrillen. Doch bevor sie den Garten verlassen, ertönt eine heisere Stimme aus dem Hühnerhaus. "Wartet auf mich! Ich will auch mit." Es ist Gertrud die Henne. Aufgeregt flattert sie mit ihren kurzen Flügeln und rennt dem bunten Zug hinterher.
Lene ist nervös. Ob der Schatz noch da ist? Doch ihr bleibt nicht viel Zeit zum Nachdenken. Theo bellt sie von unten an: "Wo geht es lang, Signorina?" Lene überlegt kurz. Dann antwortet sie: "Am besten hier gleich über die Bahnschienen und dann am Sportplatz vorbei Richtung Friedhof."
"Bene!" Theo trottet nach vorn. Er gibt Magda und Harald Bescheid. Die Wühlmäuse hüpfen mit eleganten Sprüngen über die Schienen, immer fünf auf einmal, wie die Trampolinspringer. Lene will es ihnen nachtun, schaut sich aber vorher noch einmal um. Da steht Gertrud, mit hängenden Flügeln. "Ich trau mich nicht, Lene. Ich hab furchtbare Angst vor dem Zug. Der hat meine Cousine letzten Sommer überfahren. Lisbeth. Erinnerst du dich nicht?""Ach Trudchen", sagt Lene und nickt Gertrud aufmunternd zu, "stell dich nicht so an. Um diese Zeit kommt doch gar kein Zug." Aber als sie Gertruds ängstliche Hühneraugen sieht, packt sie sie einfach unter den Arm und trägt sie auf die andere Seite. Mit der Henne überholt sie die Wühlmausparade und gesellt sich wieder zu Theo und Magda. Der Morgentau liegt noch immer auf den Gräsern. Lene ist froh, dass sie sich ihre Gummistiefel angezogen hat. Das Gras riecht frisch. Der Weg geht durch ein Gerstenfeld. Grünlich gelb ist das. Die Ähren schaukeln im Wind, ganz so wie die Wellen im Meer. Theo und Magda laufen still nebeneinander her. Lene stimmt ein Lied an, um sich Mut zu machen. Es handelt von Mäusen und Raben und von Weizenkörnern in Pfirsichsaft. Hinter ihr summen die Wühlmäuse die Melodie im Chor mit. So trotten sie einträchtig auf das Dorf zu.
"Merkwürdig, dass Ralf noch nicht zurück ist." Magda kratzt sich nachdenklich mit der Hinterpfote am Ohr. "Er wollte doch nur schnell die Umgebung auskundschaften." Mittlerweile sind sie schon längst am Sportplatz vorbei. Der Friedhof liegt vor ihnen. Gleich dahinter ragt der weiße Kirchturm aus den Baumwipfeln. "Sollen wir vielleicht warten bis er wiederkommt?", fragt sie Lene.
"Nein, auf keinen Fall. Dafür haben wir keine Zeit." Lenes Stimme klingt entschlossen. "Wir müssen den Schatz finden!"
"Wie du meinst. Aber wir sollten vorsichtig sein."
"Und leise: Silenzio." Theo schaut die anderen verschwörerisch an. Von den Wühlmäusen kommt ein lang gezogenes "Pssssst". Lene legt sich den Finger auf die Lippen.
Mucksmäuschenstill schiebt sich der Zug am Friedhofszaun entlang. Erst Lene, Magda und Theo, dann Harald und seine Wühlmäuse und schließlich Gertrud, der das Herz schon bis zu ihrem dünnen Hühnerhals schlägt. Lene hat die Lippen aufeinander gepresst. Ihre Fäuste sind geballt. Die Kirchturmuhr schlägt. Siebenmal. Beim letzten Schlag stehen sie alle hinter der Kirche. Es ist still. Kein Mensch ist zu sehen. Unheimlich ist das. Lene geht zu dem Strauch, unter dem sie den Schatz mit Franziska vergraben hatte. Die Erde ist locker. Rundherum ist alles aufgegraben. Ganze Grasbüschel sind aus dem Boden gezogen. Lene schiebt an einer Stelle die Erde beiseite. Sie gräbt mit den Händen. Immer weiter und weiter. Doch so lange sie auch sucht - der Schatz bleibt verschwunden. Dicke Tränen rollen ihr über die Pausbäckchen. Theo legt seine Pfote mitfühlend auf Lenes Fuß. Magda streich ihr um die Beine und schnurrt: "Es hat keinen Zweck, meine Kleine. Lass uns gehen." Lene lässt sich mutlos ins Gras sinken. "Aber das geht doch nicht. Das ist unser Schatz. Den können sie uns doch nicht einfach wegnehmen!" Lene schluchzt laut auf. Die Tränen rinnen und ihre Nase läuft. Rodney, der Türsteher, setzt sich neben sie. Er setzt sich seine dunkle Sonnenbrille ab und lächelt Lene aus seinen winzigen Augen an. Dann bindet er sich das Tuch vom Kopf, rollt es auseinander - für ein Wühlmausstirnband ist es außerordentlich groß - und hält es Lene hin: "Hier - zum Naseputzen." Die anderen Wühlmäuse stehen betreten im Kreis. Da gackert aus einer Ecke plötzlich Gertruds heisere Stimme: "Huch, wer ist denn das?" Ihre Stimme kommt aus einem Himbeerstrauch. Lene schaut sich um. Für einen Moment ist Ruhe. Dann schlüpft Gertrud langsam aus dem Strauch heraus. Sie hat eine Himbeere im Schnabel. Hinter ihr humpelt Ralf. Er stützt sich auf Gertruds Hinterteil. Sein Gesicht ist schmerzverzerrt.
"Was ist passiert?" Lene hat ihre Traurigkeit mit einem Mal vergessen. Ralfs rechter Flügel hängt schief an seinem Körper. "Ich wollte sie aufhalten bis ihr kommt. Bin ganz nah um ihre Köpfe geflogen und habe sie angeschrieen, dass sie sich davon scheren sollen. Da haben sie mich mit Erdklumpen beworfen."
"Und scheinbar gut getroffen." Harald betastet Ralfs Flügel vorsichtig. "Hast du schlimme Schmerzen?"
"Natürlich tut es weh" - Ralf schaut zu Lene hinüber - "aber seltsamerweise bin ich nicht mehr so traurig wie sonst. Ich ärgere mich über diese Saubande! Sechs kleine Jungs gegen einen Raben. Eine Ungerechtigkeit! Aber noch ist nichts zu spät!"
"Wieso? Den Schatz haben sie ja wohl geraubt", sagt Magda mit ernster Miene.
"Aber ich weiß, wo sie ihn hinbringen wollen. Das hat der eine von ihnen gesagt." Ralf macht ein listiges Gesicht.
"Nun rück schon raus mit der Sprache!" Lene ist ungeduldig.
Ralf schaut sie pikiert an. Offensichtlich konnte er die Spannung nicht länger aufrecht erhalten. "Sie haben ihn zum alten Rittergut gebracht."
Lene springt auf und ruft: "Na dann nichts wie hinterher!"
"Nicht so schnell. Erst müssen wir Ralf verbinden!" Harald lässt sich von den anderen Mäusen ein paar Tücher geben. Mit Rodney knotet er sie ordentlich zusammen und macht eine Schlaufe für Ralfs Flügel. Als sie fertig sind, ruft Theo: "Andiamo!"