德语故事:Lene Teil I: Harveys Mütze(2)

发布时间:2019-01-31 06:04:16

Harvey Die Großmutter macht Kakao. Dann setzt sie sich mit Lene wieder auf das Sofa. Nur sie beide. Hier oben haben sie noch nie zusammen gesessen. "Harvey war ein ganz junger amerikanischer Soldat, Lene. Er wohnte damals mit seinen Kameraden für ein paar Wochen hier im Dorf. Ich war noch sehr jung, weißt du, vielleicht sechzehn. Wir haben uns bei der Kirmes kennen gelernt." Die Großmutter zieht das Foto mit der schönen jungen Frau im eleganten Abendkleid aus dem Stapel heraus und gibt es Lene. "Das bin ich." "Wie eine Prinzessin!", staunt Lene. Die Großmutter erzählt weiter: "Wir sind dann manchmal miteinander spazieren gegangen, heimlich, denn eigentlich hat sich das für ein junges Mädchen nicht gehört, so einfach mit einem amerikanischen Soldaten herumzulaufen. Er konnte ein bisschen deutsch sprechen und hat mir die wildesten Geschichten erzählt." Die Großmutter hält kurz inne, als ob sie sich an etwas erinnert. Dann fragt sie: "Kannst du ein Geheimnis für dich behalten?" Lene nickt aufgeregt und verspricht: "Ehrenwort!". Die Großmutter macht ein feierliches Gesicht. Dann sagt sie: "Weißt du, Harvey konnte Dinge hören und sehen, die kein anderer hören oder sehen konnte." Was sollte das nun wieder heißen? Lene zieht die Stirn kraus. "War er verrückt?", will sie wissen. Die Großmutter lacht: "Ja Lene, ein bisschen verrückt war er schon." "Hast du auch ein Foto von ihm?" Lene wird mit jedem Satz neugieriger auf diesen Harvey. "Nein", sagt die Großmutter traurig. "Nach ein paar Wochen sind sie weitergefahren, er und seine Kameraden. Er kam eines Morgens angerannt und sagte, dass er gehen müsste. Einfach so. Dann hat er mir die Fliegermütze gegeben. Er hat gesagt, ich soll sie aufsetzen, wenn ich die Welt ein bisschen anders sehen will. Dann ist er gegangen." Wieder verliert sich ihr Blick in der Ferne. "Ich habe keine Ahnung gehabt, was er damit gemeint hat. Ich war einfach nur traurig." Lene muss an Franziska denken. "Franziska ist gestern auch einfach weggegangen", erzählt Lene. Sie weiß nicht, ob ihr die Großmutter überhaupt richtig zuhört. "Sie hat nicht mal gesagt, wann sie wiederkommt!" Der Trauerkloß in Lenes Hals fängt wieder an zu wachsen. Ihre Mundwinkel zucken. Lene und die Großmutter gucken nun beide für eine Weile stumm aus dem Fenster. Es ist still. Der Vater muss mit dem Rasen fertig sein. Da stupst die Großmutter Lene von der Seite an. Sie hält ihr die Mütze und die Brille entgegen und sagt aufmunternd: "Das kannst du haben bis Franziska wieder da ist, Lene. Aber sei vorsichtig, wenn du sie aufsetzt; damit können dir seltsame Dinge passieren. Schön, aber seltsam." Lene nimmt Mütze und Brille ehrfurchtsvoll an sich. Noch bevor sie etwas erwidern kann, ruft der Vater von unten: "Lene, es ist Zeit, wir wollen nach Hause zum Essen!" Lene ist hin- und her gerissen. Sie möchte noch so vieles fragen. "Na geh schon", sagt die Großmutter lächelnd, "Geschichten laufen nicht weg." Wir reden ein anderes Mal weiter." Lene schmiegt sich kurz an das faltige Gesicht der Großmutter und flüstert ihr ein Dankeschön ins Ohr. Als Lene aus der Tür tritt, fühlt sich der Tag anders an als zuvor. Die Sonne scheint zwar immer noch. Der Himmel ist so blau wie am Morgen. Aber Lene ist so aufgeregt als stünde Weihnachten vor der Tür. "Was ist denn mit dir passiert? Du hast ja ganz rote Backen." Der Vater schaut sie an und wischt sich dabei den Schweiß von der Stirn. Lene will ihm schon von Harvey und der Mütze erzählen. Aber dann fällt ihr ein, dass das ja ein Geheimnis zwischen ihr und der Großmutter ist. "Och nichts", meint Lene "die Großmutter hat einen Kakao gekocht und von früher erzählt." Der Vater nickt. "Das macht sie gern. Aber schau dir doch mal den Garten an", sagt er stolz, "alles schön kurz, jetzt können wir wieder den ganzen Theo sehen." Wie zur Bestätigung kommt der Dackel um die Ecke gerannt. "Lass uns gehen. Die Mutter wird böse, wenn ihr die Kartoffeln kalt werden." Lene drückt das kleine Päckchen unter ihrem Arm fest an sich. Dann marschiert sie hinter dem Vater zum Gartentor. Theo tappt friedlich neben ihr her. Bevor sie das Tor hinter sich schließt, krault Lene Theo noch einmal hinterm Ohr. Der Vater schließt das Auto auf. Sie flüstert: "Machs gut Theo." Das macht sie immer so. Doch als sie sich umdrehen will, hört sie eine dunkle Stimme. Die Stimme kommt ganz deutlich von Theo. Theo sagt: "Ciao Lene!"Der Apfelgarten Beim Essen schiebt Lene Bissen um Bissen in den Mund. Aber so richtig schmeckt sie nicht, was sie sich da auf die Gabel gespießt hat. Ihre Gedanken sind bei Harveys Mütze und bei Theo, dem Dackel. Konnte es sein, dass Theo wirklich mit ihr gesprochen hatte? Freilich, sie sprach auch immer mit den Tieren: mit Berte, der Kuh, mit Magda und ihren Katzenkindern, mit den gackernden Hühnern und natürlich mit Theo. Warum sollten die also nicht auch einmal etwas zu ihr sagen. Merkwürdig war es aber auf jeden Fall. Theo hatte ja nicht einfach nur gebellt. Er hatte gesprochen, sogar auf Italienisch. Lene grübelt. Dabei merkt sie erst nach einer ganzen Weile, dass das Gespräch zwischen den Eltern verstummt ist. Der Vater winkt mit seiner großen Hand vor Lenes Gesicht hin und her und fragt "Wo steckst du denn gerade mit deinen Gedanken, junges Fräulein? Bist doch nicht etwa verliebt, was?" Auch die Mutter wundert sich. Lene isst nämlich sonst mit wahrer Begeisterung ihr Mittagessen. "Lenchen, bist du noch traurig wegen Franziska?", will sie wissen und schaut ihrer Tochter forschend in die Augen. "Ein bisschen", sagt Lene. Dabei denkt sie ja an etwas ganz anderes. Dann holt sie tief Luft und fragt: "Darf ich heut Nachmittag noch mal in den Garten? Ich möchte gern mit Theo spielen." Die Eltern haben nichts dagegen. In Lenes Dorf ist es kein Problem für ein kleines Mädchen, allein durch die Felder zu streifen. Lene packt sich ihren neuen Schatz in die Brottasche und hängt sie sich um den Hals. Dann zieht sie sich ein grünes Baumwollhemd darüber. Die Leute sollen ja nicht gleich neugierig werden. Und in ihrem Dorf, wie in den meisten anderen Dörfern auf der Welt, sind die Leute furchtbar neugierig. Lene läuft die Gasse hinter der Scheune entlang. Hirtengasse heißt die, weil dort früher die Hirten die Kühe und Schafe aus dem Dorf getrieben haben. Nach drei Minuten ist Lene aus dem Dorf heraus. Es folgen ein paar Gärten mit bunten Sommerblumen und Beerensträuchern. Dann gibt es nur noch Wiesen und Felder. Lene stapft über den staubigen Boden. Es hat schon lange nicht mehr geregnet. Trotzdem hat sie ihre Gummistiefel angezogen. Die hat ihr der Vater neulich erst im Gartenladen gekauft. Grün sind sie. Lene findet, dass sie ausgezeichnet zu ihrem roten Strickrock passen. Die Eltern sehen das zwar etwas anders, aber im Dorf ziehen die meisten Leute einfach die Sachen an, die bequem sind. Nach der Mode richtet man sich nicht. Und wenn es doch mal einer macht, dann wird er von den anderen so lange schief angeguckt bis die Sachen nicht mehr modern sind. Lene läuft ein Stückchen auf der Betonstraße. Daneben gluckert ein kleiner Bach. Auf der anderen Seite vom Bach steht eine lange Reihe Pappeln. Die Bäumkronen rauschen im Sommerwind. Ihre Blätter fangen das Sonnenlicht und spielen damit. Lene mag die Pappeln. Schließlich geht sie noch ein Weilchen an der Bahnlinie entlang. Hier fährt jede Stunde ein kurzer rot-grüner Zug, der das Dorf mit der Kreisstadt verbindet. Und schließlich sieht Lene den Hühnerstall der Großeltern vor sich. Sie läuft ein bisschen schneller. Und dann noch ein bisschen schneller bis sie vor der hinteren Gartentür steht. Sie öffnet den Riegel und betritt den Apfelgarten. Diesmal ist alles still. Die Großeltern sind um diese Zeit im Haus und machen ihren Mittagsschlaf. Lene hört nur den Gesang einer Amsel, das Brummen einer Hummel. Sie läuft zur ersten Baumreihe. Dort hat der Großvater eine kleine Bank für die Großmutter aufgestellt. Darauf setzt sie sich, zieht die Brottasche unter dem Hemd hervor und ruft: "Theo!" Es dauert ein paar Minuten bis Theo auftaucht. Als er Lene sieht, wackelt er freudig mit dem Schwanz. "Na mein Kleiner!", ruft Lene. Theo legt sich vor ihr auf den Rücken und lässt sich am Bauch streicheln. Lene fängt an, alles Mögliche zu erzählen. Vom Kindergarten und Franziskas Reise, von den Tieren im Dorf. Und dann erzählt sie von Harveys Mütze, ganz leise, denn es ist ja ein Geheimnis. Theo hört aufmerksam zu. Das macht er immer so. Seine Augen sind fest auf Lene gerichtet. Aber sagen tut er nichts. Lene überlegt schon, ob sie sich nicht doch getäuscht hat. Seufzend zieht sie Mütze und Brille aus der Tasche. Sie setzt sich die muffige Ledermütze auf den Kopf, befestigt die Brille auf ihrer Nase und baumelt mit den Beinen. Die Bank ist eigentlich noch ein bisschen zu hoch für sie. Dann singt sie ein Lied. Eins von denen, die ihr immer in den Kopf fliegen, ohne dass sie wüsste, woher sie kommen. Dieses handelt von Harvey, von einer jungen eleganten Dame und von einem schwarzen Dackel mit braunen Pfoten. Lene singt ein paar Minuten. Theo schaut sie die ganze Zeit an. Als das Lied schließlich zu Ende ist, öffnet er sie Schnauze: "Schönes Lied Bella, wunderschön, bravissimo!" Er stellt sich kurz auf die Hinterfüße, dreht sich einmal um sich selbst und setzt sich dann wieder vor Lene ins Gras. "Und, hat das Mittagessen geschmeckt? Hier gab es nur Rührei und Grünen Salat. Kein einziges Stück Fleisch. Ein Jammer." Lene antwortet wie im Traum: "Ich weiß gar nicht mehr, was es bei uns gab." Dann macht sie eine Pause. "Sag mal Theo, seit wann sprichst du eigentlich?" Theo kratzt sich mit der Hinterpfote an seinem rechten Schlappohr. Dann rechnet er: "Also, ich bin jetzt fünf Jahre alt …". "Genau wie ich!", unterbricht ihn Lene aufgeregt. "Richtig, genau wie du. Na und Dackel fangen so ungefähr mit fünf Monaten zu sprechen an. Also spreche ich schon seit über vier Jahren. Mit dem Italienisch habe ich aber erst vor ein paar Wochen angefangen." "Italienisch, woher kannst du das denn?" "Der Rottweiler von drüben" - er deutet mit der Schnauze auf das Haus auf der anderen Seite der Bahnlinie - "hat Verwandte in der Toskana. Wir überlegen schon eine Weile, ob wir nicht mal hinfahren sollten. Sein Herrchen arbeitet bei der Bahn." Lene ist beeindruckt und erschrocken zugleich. Sie hatten also einen sprechenden Dackel, der beim Nachbarshund Italienisch lernte und demnächst verreisen wollte. "Ach Theo", meinte sie "da werden die Großeltern aber traurig sein, wenn du einfach wegfährst - und ich auch." Sie schluckte. Da war er wieder, dieser Kloß im Hals. Theo guckt sie eindringlich aus seinen braunen Augen an. Dann springt er mit einem Satz zu ihr auf die Bank und schiebt seine Nase unter Lenes Arm. "Weißt du Bella, die Welt ist schön. Hier im Apfelgarten ist es auch schön, wunderschön sogar, aber da draußen gibt es noch so viel zu sehen und zu erleben für einen Abenteurer wie mich!" Als er das sagt, springt er energisch auf seine vier Pfoten, hebt den Kopf in den Nacken und singt ein lang gezogenes "ABENTEUER!" in den Sommernachmittag. Wie ein Opernsänger, denkt Lene."Was’n das für’n Krach hier?", maunzt es plötzlich ungehalten unter dem Apfelbaum hervor. Magda schreitet verschlafen aus dem Schatten hervor. Erst macht sie einen runden Buckel, dann streckt sie die Vorderpfoten lang vor sich aus und macht den Rücken lang. Als sie sich genügend gedehnt hat, schaut sie die beiden anderen gähnend an. "Na, ihr zwei haltet wohl nichts von Mittagsschlaf, nein? Unsereiner ist aber die ganze Nacht unterwegs gewesen und braucht jetzt seine Ruhe." "Tag holde Magdalena", Theo erhebt sich höflich. Magda ist zwar eine Katze, aber immerhin eine Dame, der man Respekt erweisen muss. Noch dazu eine ziemlich alte. "Und du Giovanni", Magda dreht sich gönnerhaft zu Theo um "lass das Singen, das passt nicht zu dir." Theo zieht seine Dackelbrauen in die Höhe, verkneift sich aber einen Kommentar. Wenn Magda auf Streit aus war, konnte man eigentlich nur schweigen. Alles, was man sagte, war dann nämlich sowieso falsch. Magda legt sich ins Gras und schiebt sich ihre Pfoten gewichtig unter die Brust. "Wieso nennst du ihn Giovanni?", will Lene wissen. Magda schnurrt und antwortet dann langsam: "Wir nennen ihn Giovanni, seitdem der Kleine denkt, er sei was besonderes. Er hat doch diesen Italienischkurs bei dem schwarzen Ungeheuer gegenüber angefangen. Ein Dackel und Italienisch. Pah!" Magda leckt sich verächtlich das Fell. Lene ärgert sich ein bisschen über Magda. Wie konnte sie Theo nur so schlecht machen? Aber Theo flüstert ihr ins Ohr: "Lass nur, die hat schlecht geschlafen. Außerdem müssen Katzen rummeckern. Hab bis jetzt noch keine erlebt, die das nicht gemacht hätte. Hat’s ja auch nicht leicht die Magda, alle halbe Jahre wieder einen neunen Schwung Babys und dann die ganze Bagage immer ohne Mann aufziehen." "Vielleicht weil sie so garstig ist", überlegt Lene halblaut. Welcher Kater würde da schon dableiben wollen? Doch Theo meint: "deshalb ist sie wohl eher so garstig geworden, Bella. Enttäuschte Frauen, ich sage dir, ein schwieriges Kapitel bei Mensch und Tier." Theo streicht sich wissend mit der Pfote über die Augen. "Aber im Grunde ist sie ein lieber Kerl." Als Lene noch eine Frage stellen will, geht auf einmal ein fürchterliches Gezeter durch den Garten. Ein Huhn gackert aus Leibeskräften. Ein paar Federn fliegen durch die Luft. Da kommt es gerannt. Eine kleine dicke Henne, verfolgt von einem riesigen Habicht. "Hilfe!", krächzt sie ganz außer Atem. Lene hält die Luft an. Das hat sie noch nie gesehen. Der Raubvogel hat seine Krallen ausgestreckt und schreit: "Attacke!". Theo und Magda sind sofort losgerannt. Theo stellt sich auf die Hinterpfoten und bellt aus voller Kehle: "Alarm, Alarm!". Magda kreischt: "Hau ab, du hässlicher Vogel. Hier ist Mittagsruhe, verstanden?" Die beiden sind ein gutes Team. Der Habicht kreist über ihren Köpfen, traut sich aber nicht näher heran. Das Huhn versteckt sich neben ihnen im Gebüsch. Endlich kommt der Großvater eilig aus dem Haus. Mit einem Stock droht er dem Habicht und donnert ihm mit lauter Stimme einige Verwünschungen hinterher. Der Vogel schwingt sich missmutig wieder in die Höhe. Er kreist noch einmal über dem Garten, aber dann fliegt er davon. "Gott sei Dank, Gott sei Dank!" Lene hört die heisere Stimme der Henne aus dem Gebüsch. Vorsichtig lugt sie zwischen die Zweige. Das arme Huhn hockt noch immer da und zittert. Lene streichelt ihm vorsichtig über die Federn. Es ist Gertrud. Im Apfelgarten hatten alle Hühner einen Namen. Gertrud verwechselt man auch nicht mit den anderen. Sie ist ein bisschen ungeschickt, verläuft sich oft und gerät deswegen manchmal in Schwierigkeiten. Das passiert, weil sie gern vor sich hinträumt. Gertrud hört unter Lenes Hand endlich auf zu zittern. Theo und Magda sind dazu gekommen. "Na Trudchen, das war aber knapp. Wo hast du dich denn rum getrieben?" Theo schnüffelt an Gertruds braunem Federkleid. "Keine Minute kann man dich allein lassen, also wirklich", tadelt Magda, aber sie spricht mit freundlicher Stimme und zupft Gertrud behutsam eine lose Feder vom Flügel. "Ich war mit den anderen zum Nachtisch am Himbeerstrauch", erklärt Gertrud nervös. "Dort hab ich eine so richtig dicke und süße Beere gesehen. Dafür musste ich tief in das Gesträuch hinein. Und als ich wieder draußen war, waren die anderen verschwunden und dieses grässliche Vieh kam im Sturzflug auf mich zu. Grauenhaft!" "Warum bist du dann nicht in den Busch zurückgelaufen?", fragt Lene. Die Fliegermütze auf ihrem Kopf wird langsam ein bisschen zu warm. Gertrud legt ihren kleinen Kopf schief und überlegt angestrengt: "Ich weiß nicht", sagt sie schließlich nach langem Nachdenken "ich bin einfach losgerannt." Magda hat inzwischen zu ihrer alten Form zurückgefunden und erklärt: "Lene, Gertrud ist ein gutmütiges Federvieh, aber Hühner haben einen winzigen Kopf und ein klitzekleines Gehirn darin, was will man da erwarten?" "Ja, und Katzen haben ein ziemlich großes Maul, nicht wahr Magdalena?", Theo knufft Magda spielerisch in den Nacken und lacht sein tiefes Lachen. Magda fängt an im Sopran zu jammern: "Ach du ungehobelter Köter!" Weiter kommt sie nicht. Der Großvater hat die Haustür geöffnet und schlurft langsam auf die Bank zu. Dort raucht er jeden Tag seine Nachmittagspfeife. Lene will sich schon die Mütze vom Kopf ziehen. Aber Theo zischt noch schnell: "Hör zu Signorina, morgen, ganz früh, da ist Frühschoppen bei den Wühlmäusen. Da lernst du den Rest kennen. Fünf Uhr. Arrivederci!" Lene hat keine Gelegenheit mehr zu antworten. Sie lässt Mütze und Brille blitzschnell in ihrer Brottasche verschwinden. Theo wedelt mit dem Schwanz. Magda miaut noch vor sich hin und Gertrud läuft gackernd zum Hühnerstall. Lene setzt sich wieder auf die Bank. Sie wartet auf den Großvater. Als er sich zu ihr gesetzt und seine Pfeife gestopft hat, unterhalten sie sich ein bisschen: über den Habicht und Gertrud und darüber, wie viele Eier die Hühner heute gelegt haben. Der Großvater zieht dabei an seiner Pfeife. Er spricht nicht viel, aber er lächelt fast immer. Ganz besonders, wenn er von seinen Apfelbäumen und den Hühnern spricht. Er ist ein richtiger Bauer, mit großen schweren Händen. Die Finger sind gekrümmt, die Haut ist rau. Er trägt eine Schirmmütze auf dem Kopf, hat eine gestopfte blaue Leinenhose und ein Baumwollunterhemd an. Seine Füße stecken in abgeschnittenen Gummistiefeln. So läuft er den ganzen Sommer durch den Garten, gießt, hackt, schneidet die Zweige seiner Bäume und kümmert sich um die Hühner. Als der Großvater und Lene schon ein Weilchen miteinander geplaudert haben, ertönt ein lauter Pfiff vom Häuschen. Es ist Kaffeezeit. Die Großmutter steht mit ihrer Trillerpfeife vor der Tür. Damit ruft sie den Großvater jeden Tag zu den Mahlzeiten. "Na Lenchen, ein Stück frischen Rhabarberkuchen?" Der Großvater fährt Lene mit seiner großen Hand über den Rücken. Das kratzt angenehm. "Au ja!", freut sich Lene. Der Tag hatte schon so viel Neues gebracht, dass eine kleine Stärkung jetzt gerade recht kommen würde. Der Kuchen der Großmutter schmeckt herrlich. Hefeteig, Rhabarber und eine süße Quarkdecke. Dazu gibt es eine Tasse Kakao. Lene vergisst Harveys Mütze für einen Moment. Erst als die Großmutter sie beim Abschied verschwörerisch anlächelt, denkt sie wieder an die Verabredung für morgen. "Sagt mal, wo sind denn eigentlich die Wühlmäuse hier im Garten?", fragt sie beiläufig. Der Vater hatte schon häufig von diesen Tiere geredet. Nicht gerade freundlich, wie sich Lene erinnert. Der Großvater verliert sein Lächeln für eine Sekunde. Er antwortet. "Hinten an der Kastanie hat sich die Bande zusammengerottet. Die fressen die ganzen Wurzeln von den Bäumen an. Fürchterlich." Aha, denkt Lene, das würde ja eine interessante Bekanntschaft werden. Dann drückt sie den Großvater und die Großmutter und geht nach Hause. Die Großeltern stehen vorm Gartentor. Sie winken Lene hinterher bis sie ihr rotes Röckchen nicht mehr erkennen können. Hinter dem Zaun sitzen Theo und Magda. Sie beobachten die Menschen aufmerksam. "Sind sie nicht niedlich?" fragt Magda. "Si, naturalmente!" erwidert Theo und singt: "La mia famiglia!" Magda wirft ihm einen mitleidigen Blick zu und fängt an sich zu putzen. Mit diesem Hund ließ sich manchmal kein vernünftiges Wort wechseln.
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