德语故事:Lene Teil I: Harveys Mütze(1)

发布时间:2021-11-05 22:51:28

Lene ist fünf Jahre alt. Eigentlich heißt sie Marlene. Aber so hat sie noch nie einer genannt. Lene ist ein bisschen pausbäckig, hat kleine blaue Augen und eine winzige Nase, die sich hinter ihren rosigen Bäckchen verstecken. Wenn sie lacht, bleiben von den Augen nur noch fröhliche Schlitze übrig. Augen und Nase sind aber groß genug, um alles Interessante umher in Lene hineinzusaugen. Und davon gibt es eine ganze Menge. Lene trägt am liebsten einen roten Strickrock. Der ist eigentlich schon ein kleinwenig zu kurz und rollt sich über ihrem runden Bäuchlein. Die Mutter macht ihr manchmal Zöpfe und bindet Schleifen hinein. "Schön schaust du aus", sagt die Mutter dann. Lene steht danach immer ein paar Minuten vor dem alten Spiegel im Kinderzimmer. Sie dreht sich mit Rock und Zöpfen von einer Seite auf die andere und freut sich über ihr Bild. Lene wohnt mit ihren Eltern auf einem Bauernhof. Dort gibt es ein weißes Haus mit knallroten Ziegeln auf dem Dach, eine grüne Scheune mit Heu, Stroh und Korn darin und einen Stall für die Schweine und Kühe. Der Hof liegt in einem kleinen Dorf. Drum herum gibt es ein paar Hügel und einen Wald, der zu jeder Jahreszeit anders duftet: im Frühling süß, wie die Schneeglöckchen, im Sommer würzig, wie ein bunter Gemüsesalat. Im Herbst riecht es ein bisschen modrig nach Fallobst und im Winter so sauber wie frisch gewaschene Wäsche. Und dann gibt es noch den riesigen Apfelgarten. Dort leben die Großeltern von Lene. Die sind schon sehr alt. Das kann man an den weißen Haaren sehen. Sie leben dort mit zehn braunen Hühnern, einem Hahn, der borstigen Katze Magda und Theo zusammen. Theo ist ein Dackel. Von ihm sieht man im Sommer oft nur die wehenden Ohren, wenn er durch das hohe Gras unter den Bäumen springt. Er ist schwarz und hat braune Pfoten. Die Katze Magda sieht immer verstrubbelt aus. Im Frühling taucht sie jedes Jahr wieder mit fünf oder sechs kleinen Kätzchen vor der Küche der Großmutter auf und gaumst was das Zeug hält. Die Großmutter seufzt dann einmal tief, holt aber schließlich die Milch aus dem Kühlschrank und macht ein Schälchen für die Katzenkinder warm. Lene hat auch eine Freundin. Die heißt Franziska. Franziska ist zwei Monate und drei Tage jünger als Lene. Sie hat braune Augen und ein schmales Gesicht. Mit ihr trifft sich Lene oft nach dem Kindergarten. Dann spielen sie Prinzessin und Königin, Hexenküche Zauberschule oder was ihnen sonst noch einfällt. Neulich haben sie sogar einen Schatz gefunden. Franziska hatte es gleich erkannt: "Das sind Diamanten!" Die Edelsteine lagen mitten auf der Straße. Die Eltern hatten gesagt, dass das nur zerbrochenes Glas von der Fensterscheibe eines Autos sei. Lene hätte es fast geglaubt, aber Franziska zischte nur verächtlich: "Was wissen die denn schon?" Lene und Franziska sammelten die Steine sorgfältig auf und steckten sie in drei bunte Blechbüchsen. Auf dem Klettergerüst im Kindergarten berieten sie am nächsten Tag ausführlich, was sie mit dem Schatz machen wollten. Am Nachmittag vergruben sie ihn schließlich feierlich unter einem Haselnussstrauch hinter der Dorfkirche. Abschied Am letzten Kindergartentag vor den Ferien rennt Franziska aufgeregt auf Lene zu und ruft: "Wir fliegen auf eine Insel, mitten im Ozean!". Mit "wir" meint sie sich selber, ihre Eltern und den kleinen Bruder Hans. "Wann denn?", will Lene wissen. "Morgen, ganz früh." Lene sieht, dass Franziska sich sehr freut. Ihre brauen Augen sprühen vor lauter Fröhlichkeit. Aber Lene wird traurig. Nicht so schlimm, dass sie weinen muss, aber schon so, dass sie einen kleinen Kloß im Hals spürt. Lene ist noch nirgendwo hingeflogen. Mit den Eltern war sie letztes Jahr an der Ostsee. Das war schon etwas Besonderes, denn eigentlich konnten die Eltern wegen der Tiere nur ganz selten verreisen. Die Kühe und Schweine nahmen auf die Ferien der Menschen keine Rücksicht. Die hatten immer Hunger, wollten ausgemistet oder gemolken werden. Einfach mitnehmen konnte man sie aber auch nicht. Lene faltet ihre Hände über dem roten Strickrock und fragt: "Wann kommt ihr denn wieder?" "Ich weiß nicht", sagt Franziska. Als sie merkt, dass Lene sie ganz traurig anschaut, schlingt sie ihr die Arme um den Hals und flüstert: "Pass gut auf unseren Schatz auf, ja?" Lene nickt stumm. Dann geht sie nach hause. Die Mutter hat einen Schokoladenkuchen gebacken, aber Lene hat gar keinen Appetit. Das ist seltsam, denkt die Mutter. Denn Lene mag Schokoladenkuchen sonst furchtbar gern.Die Fliegermütze Am nächsten Tag wacht Lene ziemlich früh auf. Sie hält ihren Teddy Paul im Arm. "Da hast du aber Glück gehabt", murmelt sie. Denn meistens landet Paul nachts irgendwann auf dem Teppich. Lene zieht die blaue Gardine vom Fenster weg. Die Sonne scheint. Kein einziges Wölkchen zeigt sich am Himmel. Die Vögel zwitschern, aber sonst ist es noch ganz ruhig: kein Auto, kein Rasenmäher, nichts. Dann klettert sie unter der rot karierten Decke hervor und deckt Paul damit zu, damit der noch ein bisschen schlafen kann. Sie zieht sich ihren Strickrock und ein gelbes Sommerhemd an, öffnet die Tür und fängt lauthals an in den Tag zu singen. Lene läuft hinunter in die große Bauernküche. Dort kocht die Mutter gerade Kaffee. "Guten Morgen junges Fräulein. Was singst du denn da für ein Lied?" Lene zuckt mitten im Lied mit den Schultern und gibt der Mutter einen Kuss. Die Lieder fliegen ihr einfach zu. Sie weiß auch nicht, woher sie kommen. Für Lene steht schon ein großes Glas frischer Milch auf dem Tisch. Die Milch kommt von Berte, Lenes braun gescheckter Lieblingskuh. Dazu gibt es ein Brötchen mit frischer Himbeermarmelade. Der Vater liest der Mutter aus der Zeitung vor: einen Artikel über die Milchpreise, den Wetterbericht und das Horoskop. Die Mutter lächelt ab und zu. Und Lene trinkt Bertes Milch und träumt vor sich hin. Nach dem Frühstück nimmt sie der Vater mit in den Garten. Das Gras ist hoch. Von Theo sieht man nur noch die wehenden Ohren über die Halme ragen. "Dann ist es auf alle Fälle Zeit fürs Mähen", lacht der Vater. Er setzt sich auf seinen kleinen Traktor. Der Motor heult krachend auf. Schrecklich laut ist das. Theo versteckt sich mit eingezogenem Schwanz in seiner Hundehütte, die Hühner rennen mit ihrem Hahn gackernd in den Stall. Lene hält sich für ein Weilchen die Ohren zu und beschließt dann ins Haus der Großeltern zu gehen. Wenn der Vater erst mal auf seinen Traktor saß, hörte der Krach so schnell nicht wieder auf. Im Haus ist es ganz still. Die Großeltern sind im Nachbardorf zum Einkaufen. Lene streift etwas unschlüssig durch die Räume. Dann fällt ihr ein, dass es im Nachtschrank des Großvaters meistens etwas Süßes gibt. Sie steigt also die Wendeltreppe hinauf. Die Stufen sind ziemlich steil. Lene zieht die Schublade heraus und findet einen Riegel Vollmilchschokolade. Sie bricht sich zwei Stückchen ab und steckt sie nacheinander in den Mund. "Mundraub ist erlaubt", erinnert sie sich. Das sagten die Großeltern immer, wenn plötzlich irgendwo ein Stück Kuchen oder ein Kästchen Schokolade fehlten. Lene tritt durch die Tür ins Blumenzimmer. Die Großmutter liebt Blumen und hat deshalb ein ganzes Zimmer für sie. Stachlige Kakteen, rote Geranien und viele andere Pflanzen, für die Lene die Namen noch nicht kennt. An der Wand steht ein hochbeiniges Sofa. Die Kissen sind mit rotem Samt bespannt. Nur eines ist schwarz. Darauf sind drei weiße Katzen gestickt. Lene schiebt sich am Sofa vorbei. Dahinter gibt es einen unscheinbaren Wandschrank. Der interessiert Lene auf einmal sehr. Neugierig kniet sie sich davor nieder und öffnet die Tür. Drinnen ist es staubig. Spinnweben haben sich über zahllose Plastiktüten und Pappschachteln gebreitet. Lene zieht eine blaue Tüte heraus. Schwer ist sie. Bücher sind darin. Sie müssen alt sein. Die Seiten sind gelb und mit einer seltsamen Schrift beschrieben. Lene kann erst ein paar Wörter lesen, aber sie weiß, dass diese Buchstaben hier anders sind als die in ihren Kinderbüchern. Dann öffnet sie eine der Schachteln. Ein Päckchen mit Fotos und Postkarten kommt zum Vorschein. Da ist ein Mann in Uniform zu sehen. Der Mann sieht dem Großvater ziemlich ähnlich. Lene findet auch das Bild einer schönen jungen Frau im eleganten Abendkleid, dann ein Familienfoto von streng dreinblickenden Herren und Damen. Lene hockt mit offenem Mund auf dem Boden und staunt. Aber da gibt es noch so viel zu entdecken! Ein Kistchen mit Schmuck, alte Parfümfläschchen, ein kleiner goldner Spiegel, eine Taschenuhr. Zum Schluss bleibt nur noch ein einziger Karton übrig. Hinten in der Ecke. Lene muss sich ganz weit in den Schrank hineinbeugen, um an ihn heranzukommen. Neugierig hebt sie den grauen Deckel ab. Eine Schachtel kommt zum Vorschein. Sie wird mit einem roten Band zusammengehalten. Lene knotet das Band vorsichtig mit ihren kleinen Fingern auf. Als sie es aufhat, kann sie die Buchstaben sehen, die darauf geschrieben stehen: H A R V E Y. Lene hat keine Ahnung, was das heißt. Mit angehaltenem Atem öffnet sie die Schachtel - und ist enttäuscht. Das Ding da drin ist braun und muffig. Trotzdem zieht Lene es heraus. Es ist eine Ledermütze mit Druckknöpfen an den Ohren. Darunter liegt eine kleine Brille, die an Stelle von Bügeln ein Gummiband hat. So ähnlich wie die Taucherbrille von Franziska. Lene dreht ihren Fund hin und her, guckt durch die trüben Gläser der Brille und setzt sich die Mütze schließlich auf den Kopf. "Was machst du denn da?" Lene ist erschrocken. Sie hatte gar nicht gemerkt, dass die Großmutter die Treppe heraufgekommen war. Waren die beiden schon zurück? Schuldbewusst schaut sie zu ihr hoch. Die Großmutter sieht aber nicht böse aus. Auch eher ein bisschen erschrocken. Das Durcheinander um Lene herum beachtet sie gar nicht. "Ich, ich habe ...", stammelt Lene, ohne eigentlich sagen zu können, was sie da macht. Aber die Großmutter starrt einfach nur auf die Ledermütze auf Lenes Kopf. Lene nimmt die Mütze ab und sagt zur Sicherheit: "Tut mir leid". Die Großmutter nimmt ihr die Mütze vorsichtig aus der Hand und greift nach der Brille, die auf dem Fußboden liegt. Dann setzt sie sich auf das hochbeinige Sofa, legt die beiden Sachen in ihren Schoß und guckt aus dem Fenster. Lene wird es unheimlich. Die Großmutter sitzt da und träumt vor sich hin! Schimpfen wäre Lene irgendwie lieber gewesen. Kein Ton kommt über die Lippen der Großmutter. Dafür fängt sie an zu lächeln. Ganz von innen heraus. Und dann werden ihre Augen plötzlich feucht. Lene weiß sich keinen Rat mehr. Soll sie den Vater rufen? Draußen hört man den Traktor unermüdlich auf- und abfahren. Sie zieht an der Schürze der Großmutter: "Was hast du denn? Was ist das für eine Mütze?" Die Großmutter schaut Lene an, so als wäre sie gerade aus einer ganz anderen Welt zurückgekehrt. "Die Mütze hat einem guten Freund von mir gehört, Lene." Dann schweigt sie wieder.
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