Diese Geschichte hat mir Wutz, der kleine Wichtel erz?hlt. Sie handelt von einem vergangenen Weihnachtsfest, an das er sich von Herzen gerne erinnert. Es war in einer kalten Dezembernacht.
Dicke Schneeflocken fielen vom Himmel und hüllten den Wald in ein wei?es Kleid. Wutz, der einzige Wichtel des Waldes, schlief tief und fest, bis es laut an die Tür pochte.
Schlaftrunken rieb er seine Augen. Nachdem es ein weiteres Mal pochte, war er hellwach. Da brauchte jemand seine Hilfe, ging es ihm durch den Kopf. Hastig hüpfte er aus dem warmen Bett und eilte zur Tür. Wutz lebte schon viele Jahre in dem Inneren einer alten Eiche. Schnell ?ffnete er die runde Holztür. Vor ihm stand Ferdi, der niedliche Spatz. Um seinen Hals hatte er einen dicken Schal gebunden. "Was ist los, Ferdi?", fragte Wutz besorgt. "Komm doch herein!"
Der Wichtel machte seinem Freund Platz und der Spatz trat ein. "Ich danke dir, Wutz", sagte Ferdi mit zittriger Stimme. "Tut mir leid, dass ich dich mitten in der Nacht wecke, aber der Schnee hat mein Nest v?llig zugedeckt.
Dort kann ich nicht mehr schlafen." Wutz nickte und ging zum Ofen. Er reichte seinem Freund eine hei?e Tasse Milch. "Bleib vorerst hier, bis du etwas Neues gefunden hast. Drau?en ist es kalt. Du würdest erfrieren." Der Spatz wusste nicht, wie er seinem Freund dafür danken sollte. Gemeinsam richteten sie ein Bett für Ferdi und schliefen sofort wieder ein. Am n?chsten Tag flog Ferdi früh aus, um sich nach einer neuen Wohnung umzusehen. Sp?ter als er wieder kam, überbrachte er Wutz gute Neuigkeiten. "Und du kannst sofort dort einziehen?", vergewisserte er sich bei seinem kleinen Freund.
"Ja. Das hat zumindest Frau Eichhorn gesagt. Sie ben?tigt den zweiten Stock erst im Frühjahr wieder und bis dahin kann ich bleiben. Dann werde ich mir selbst ein Nest bauen." Wutz nickte und freute sich mit seinem Freund.
Als Ferdi sich verabschiedete und davonflog, kam Hansi, der Hase auf drei Beinen daher gehoppelt. "Was ist los mit dir, Hansi?", fragte Wutz und lief dem Hasen entgegen. Er kam nur langsam voran, denn der Schnee war inzwischen sehr hoch geworden. "Ich habe mir das Bein verstaucht, als ich mit den anderen um die Wette lief", antwortete der Hase traurig. "Lass mich das mal ansehen!" Wutz bückte sich zu Hansis Bein herab und nachdem er es genau untersucht hatte, nickte er so kr?ftig, dass ihm dicke Haarstr?hnen ins Gesicht fielen. "Ich wei?, was ich für dich tun kann. Warte hier!" Mit diesen Worten lief er in sein Haus. Nach wenigen Augenblicken kam er wieder. In der einen Hand trug er einen schneewei?en Verband und in der anderen ein Heilkraut. Dann bückte er sich wieder zu Hansis verletztem Bein herunter.
Der Hase sah ihm neugierig zu. Dann war Wutz fertig. Um das Bein war nun der Verband gewickelt und darunter war das Heilkraut gelegt. "Bewege dein Bein nur, wenn es wirklich sein muss. Ansonsten halte dich still und lass dem Heilkraut seine Wirkung tun. Dann wird es dir schon bald wieder besser gehen." Hansi bedankte sich herzlich bei seinem Freund und hoppelte vorsichtig davon. Wutz war immer für seine Freunde da. Ein jeder mochte ihn und war gerne in seiner N?he. Doch dass auch er mal Hilfe oder Gesellschaft brauchte, das bedachten die Waldtiere zuerst nicht. Erst als der Heilige Abend immer n?her rückte, fiel ihnen auf, dass Wutz bis jetzt nie darüber gesprochen hatte. Einen Tag vor der gro?en Bescherung trafen sich die Tiere an einem geheimen Treffpunkt, damit Wutz keinen Verdacht sch?pfte.
Dort schmiedeten sie einen Plan ... Am Heiligen Abend schneite es dicke Flocken und der kalte Wind pfiff um die alte Eiche. Wutz sa? in seiner H?hle vor dem Ofen und trank hei?e Milch. Er war schl?frig und gerade am Wegd?sen, als es an der Tür klopfte. "Nanu?", fragte sich der Wichtel. "Wer kann das sein an Heiligabend?" Er trat an die Tür und ?ffnete sie. Wutz konnte seinen Augen kaum trauen. Drau?en standen all seine Freunde und begrü?ten ihn mit einem Weihnachtslied. Xaver, der Fuchs, Hansi, der Hase, Ferdi, der Spatz, Emma, die Eule und viele mehr.
Alle waren sie gekommen. Als das Lied zu Ende war, riefen sie gemeinsam: "Frohe Weihnachten, lieber Wutz!" Wutz bekam vor Freude ganz rote Wangen. Damit hatte er nicht gerechnet. Mit seinen Freunden den Weihnachtsabend zu feiern, war sein gr??ter Wunsch gewesen. Ferdi trat vor. Er trug eine selbstgebastelte Laterne bei sich. "Lieber Wutz", begann er, "du bist das ganze Jahr über für uns da.
Egal worum es geht, du wei?t immer Rat und hast stets ein nettes Wort für uns. Nun wollen wir für dich da sein und mit dir gemeinsam den Heiligen Abend verbringen." Wutz konnte nur schwer seine Tr?nen verbergen. Es waren Tr?nen der Freude. "Vielen Dank, meine lieben Freunde. Ihr erfüllt mir damit meinen gr??ten Wunsch. Kein sch?neres Geschenk h?ttet ihr mir machen k?nnen", sagte der Wichtel gerührt.
Die überraschung war den Waldtieren gelungen und sie feierten noch lange weiter. Von da an, verbrachten sie jedes Weihnachtsfest mit ihrem guten Freund Wutz, der nun an einem so sch?nen und bedeutsamen Abend nicht mehr alleine war
