德语故事:LeneTeilI:HarveysMütze(5)
发布时间:2019-01-31 06:04:15
Das Finale
Das Rittergut ist nicht weit von der Kirche entfernt. Eigentlich ist davon nur noch eine Ruine übrig. Es gibt ein paar Mauerreste und Steinhaufen. Das einzige, was noch nicht zerfallen ist, ist das Taubenhaus. Lene schleicht sich mit den Tieren vorsichtig an. Von weitem kann sie Kinderstimmen hören. Ralf hat sich auf Lenes rechte Schulter gesetzt und flüstert ihr ins Ohr: "Das sind sie!" Die Stimmen kommen eindeutig vom Taubenhaus. Lene erkennt sechs Jungs aus dem Kindergarten. Wütend blickt sie in ihre Richtung. Dem einen hatte sie neulich noch von ihren Erdbeeren abgegeben! Theo stupst sie von unten an und zeigt mit seiner Nase auf einen Steinhaufen: "Los, bevor sie uns entdecken" Lene und die anderen verstecken sich hinter den Steinen. "Hast du einen Plan, Bella?" Lene zuckt mit den Schultern: "Ich weiß nicht. Es sind so viele. Wir müssten sie erstmal vom Taubenhaus herunter bekommen. Was meint ihr?"
"Ich hab da eine Idee!" Harald springt erst auf Lenes Knie und dann auf ihre linke Schulter. Er hält seine kleine Schnauze an Lenes Ohr und tuschelt solange hinein bis Lene über beide Backen strahlt.
"Was ist das denn?" ruft einer der Jungen. Auch die anderen schauen verwundert hinunter. Vor dem Taubenhaus hockt eine struppige Katze und miaut aus Leibeskräften. "Blödes Vieh, hau ab!", raunzt ein kleiner Dicker. Magda kehrt sich nicht daran. Sie singt aus Leibeskräften: "Oh sole mio!" Das hatte ihr Theo noch schnell beigebracht. Dabei stellt sie sich auf die Hinterfüße um die Brust zum Singen freizuhaben. "Klappe halten!" Der, mit dem Lene im Kindergarten die Erdbeeren geteilt hatte, wirft mit einem Stück Holz nach Magda, trifft sie aber nicht. Magda schreit vor Empörung. Theo schaut Lene hinter dem Steinhaufen tief in die Augen und sagt: "So jetzt reicht es. Diesen Banausen muss man eine Lehre erteilen!" Magda hat sich in Deckung gebracht. Noch lauter als vorher singt sie aber weiter ein Lied nach dem anderen. Durch ihr Geschrei werden bald andere Katzen aus dem Dorf angelockt. Sie sammeln sich auf dem Platz, setzen sich und strecken die Hälse in den Himmel. Ein großer dicker Kater mit aufgeplustertem Fell hockt sich neben Magda. Theo raunt Lene zu: "Pass auf Bella, gleich wird es romantisch. Das ist Hugo, der ist für die letzten sechs Katzenkinder von Magda verantwortlich. Ist der große Boss hier im Dorf, wenn du verstehst, was ich meine?" Lene versteht nicht. Aber sie sieht, wie Magda Hugo ins Ohr flüstert. Hugo dreht sich darauf zu den anderen Katzen um und ruft ihnen etwas zu. Blitzschnell formieren sie sich zu drei Blöcken. Hugo stellt sich vor ihnen auf und hebt die Pfoten wie ein Dirigent. Die Katzen verfallen in ein ohrenbetäubendes mehrstimmiges Gebrüll.
Theo lugt zwischen den Steinen hervor. Die Jungs im Taubenhaus sagen nichts mehr. Alle sechs starren sie auf das Katzenkonzert. "Los geht´s Amigos", flüstert der Dackel Harald zu. Unbemerkt trippeln die Wühlmäuse im weiten Bogen zum Taubenhaus hinüber. Eine nach der anderen klettert der Leiter hinauf. Harald läuft an der Spitze. Oben angekommen späht er vorsichtig ins Innere. Vorn kann er die Beine der Jungen ausmachen. Und gleich hinter ihnen stehen die drei Blechbüchsen, die ihm Lene beschrieben hat. Harald lässt die anderen Wühlmäuse herankommen. Dann schleicht er sich zu den Büchsen hinüber. Eine ist schon geöffnet. Etwa ein Dutzend der glitzernden Steine liegen daneben. Mit seinen scharfen Zähnen beißt Harald den Plastikdeckel der zweiten und der dritten auf. Die wilden Gesänge der Katzen draußen übertönen jedes Geräusch. Harald bindet sich sein Tuch vom Kopf und rollt fünf der Edelsteine hinein. Er wickelt es wieder zusammen und legt es sich über den Rücken. Dann tippelt er zur Leiter zurück und macht Rodney ein Zeichen. Von da an geht alles ganz fix. Eine Wühlmaus nach der anderen schleicht sich ins Taubenhaus, füllt ihr Tuch mit ein paar Steinen und verschwindet wieder. Harald steht am Rand und zischt ab und zu eine Anweisung. Plötzlich hört er von vorn einen der Jungen sagen: "Ach was Männer, die hören auch wieder auf. Lasst uns lieber überlegen, wo wir die Steine verstecken." Die Schritte des Jungen kommen in Haralds Richtung. Was nun? Die Wühlmäuse im Taubenhaus drücken sich an die Wand und halten den Atem an. Kleine Jungs können sehr gefährlich werden. Dieser hier ganz gewiss. Es war der, der das Holzstück nach Magda geworfen hatte. Doch als er sich gerade setzen will, bricht vorn ein wildes Lachen aus: "Heh, guckt euch das an!" Der Junge kehrt wieder zum Ausguck zurück. Harald fällt ein Stein vom Herzen. Aber was ist passiert? Durch eine Ritze im Fußboden schaut er auf den Platz hinunter, auf dem die Katzen gerade noch im Chor gesungen haben. Harald grinst. Unten sieht er Gertrud und Ralf. Sie haben sich an den Flügeln gefasst und tanzen - wie im Ballett! Gertrud zählt mit ihrer heiseren Stimme den Takt. Ralf versucht eine Pirouette, kommt wegen des verbundenen Flügels aber ins Schleudern. Harald reist sich mühsam von der außergewöhnlichen Vorstellung los. Er piept leise zu den anderen: "Los Jungs, gleich haben wir es geschafft!" Die letzten sechs Mäuse laden sich je zu zweit eine der Blechbüchsen auf die Schultern und klettern behutsam die Leiter hinunter. Harald schaut sich noch einmal um. "Saubere Arbeit", murmelt er.Lene kann ihr Glück kaum fassen. Die Wühlmäuse türmen die Edelsteine neben ihr und Theo auf. Einige wischen sich anschließend mit ihren Tüchern den Schweiß von der Stirn. Lene muss sie nur noch in die Büchsen stecken. Theo ist zufrieden. Zu Lene sagt er: "So Bella, jetzt lauf und bring den Schatz in Sicherheit!" Lene krault Theo am Ohr. Dann streicht sie Harald über den Rücken. "Ihr seid die tollsten Freunde der Welt. Danke." Harald kratzt sich verlegen am Hinterkopf. Theo lächelt geschmeichelt. Lene schaut sich nach Magda um. Die Katze sitzt einträchtig mit ihrem schwarzen Kater in der Sonne und schnurrt. "Keine Chance, Bella, gegen den kommst du jetzt nicht an." Theo verdreht seine Dackelaugen und singt: "L’amore!" Mit diesem Wort tritt er hinter dem Steinhaufen hervor. Wie ein berühmter Operntenor schreitet er auf den Platz vor dem Taubenhaus, räuspert sich und stimmt eine Arie aus Don Giovanni an. Die Dorfkatzen finden sich noch einmal zum Chor zusammen. Gertrud und Ralf verneigen sich zum Tanz voreinander. Und schließlich führt Harald seine Mäuseschar auf die Bühne. Auch sie fassen sich an den Pfoten und tanzen zur Musik. Theo dreht sich für eine Sekunde zu Lene um und zwinkert ihr zum Abschied zu. Lene schaut zu den Jungs im Taubenhaus hinauf. Sie muss sich das Lachen verkneifen. Mit offenen Mündern starren die auf die tanzenden und singenden Tiere. "Na ihr werdet euch wundern!", denkt Lene. Dann packt sie den Schatz und läuft gemütlich nach Hause.
Als Lene ankommt, ist es schon fast neun Uhr. Ganz leise öffnet sie das grüne Tor und schleicht sich über den Hof zum Haus. In der Küche hört sie Geschirr klappern. Lene zieht die grünen Gummistiefel in der alten Waschküche aus. Auf Strümpfen steigt sie unbemerkt die Treppe hinauf und huscht schnell in ihr Zimmer. Als die Tür hinter ihr zufällt, atmet sie auf. Puh, das war geschafft! Die Blechbüchsen stellt Lene unter ihr Bett. Sie würde mit Franziska später entscheiden, was sie mit dem Schatz machen wollten. Lene gähnt und merkt plötzlich, wie müde sie ist. Sie zieht den roten Strickrock und das grüne Hemd aus und legt sich zum schlafenden Paul ins Bett. "Nur fünf Minuten", murmelt sie Paul in sein Plüschohr. Paul macht die Augen kurz auf und reibt sie sich mit seiner dicken Teddybärenpfote. Er brummt: "Schlaf schön, Lene."
"Du auch", antwortet Lene ohne sich zu wundern. Ihr fällt ein, dass sie Harveys Mütze ja noch immer auf dem Kopf und die Brille auf der Nase trägt. Gähnend streift sie beides ab, schüttelt ihr rot kariertes Kissen auf und schließt Paul fest in die Arme. Dann schläft sie ein. Sie träumt: von Theo und Magda, der ängstlichen Gertrud und dem traurigen Ralf, von Harald, dem Wirt und Rodney, dem Türsteher. Erst als es laut an der Tür klopft, wacht Lene wieder auf. Die Mutter steht vor ihr und fragt: "Na meine Liebe, du willst wohl heute gar nicht aufstehen?" Lene streckt sich und gähnt herzhaft. "Und übrigens", die Mutter lächelt, "Franziska kommt nächste Woche wieder. Das hat mir ihre Oma gerade beim Bäcker erzählt." Lene freut sich und murmelt: "Na gut, dass der Schatz wieder da ist." Die Mutter schaut sie neugierig an: "Welcher Schatz denn Liebes?" "Ähm - ach nichts Mutz, ich bin nur noch nicht ganz wach." Lene kratzt sich am Hinterkopf. Was war eigentlich passiert? Hatte sie das alles wirklich nur geträumt? Aber da fällt ihr Blick auf den Fußboden. Da liegt sie: Harveys Mütze. Lene atmet tief durch. Als die Mutter wieder gegangen ist, hebt sie Mütze und Brille auf und versteckt sie unter ihrem Kopfkissen. Dann rückt sie Paul zurecht, so dass er es bequem hat, und deckt ihn sorgfältig zu. "Schlaf einfach weiter", flüstert sie. Paul zwinkert müde mit seinen runden Bärenaugen, bevor er sich auf die Seite rollt. Lene schlüpft in ihren roten Strickrock und geht singend zum Frühstück.